Warum fotografiere ich eigentlich?

Martin fragt in seinem jüngstem Blogpost: „Warum fotografierst du eigentlich?“. Sehr spannende Frage! Ich habe schon in einen kurzen Kommentar auf diese Frage geantwortet, aber ich will noch etwas mehr dazu schreiben.

Angefangen hat es bei mir mit der Fotografie wahrscheinlich wie bei vielen anderen auch: man hat hier und da Fotos geknipst, im Urlaub, auf Parties oder einfach nur so. Aber es war eben nur knipsen, kein fotografieren. Gibt es dazwischen einen Unterschied? Ich denke schon – fotografieren ist viel bewusster als einfach nur wild auf den Auslöser zu drücken.

Irgendwann bin ich bei flickr gelandet und habe Stunden damit zugebracht, mir all die tollen Bilder anzuschauen. Ich konnte mich gar nicht satt sehen. (Klar gibt es bei flickr auch nicht so tolle Bilder, ein guter Tipp ist, sich die Favourites der Leute anzuschauen, da landet man schnell bei ganz großartigen Fotos) und irgendwie wuchs in mir das Gefühl, dass ich sowas tolles auch erschaffen können möchte. Ich wollte Fotografie richtig lernen.

Als nächstes habe ich mir bei Ebay eine analoge Spiegelreflexkamera gekauft – für eine digitale reichte das Geld als Student noch nicht und als Anfänger habe ich die große Ausgabe auch gescheut. Sicherlich hätte ich auch mit einer billigeren Digi-Knipse anfangen können, aber ich wollte das Gefühl einer „richtigen“ Kamera haben, mit all ihren Drehknöpfen, Rädchen und Einstellmöglichkeiten.

Später, als das Studium beendet war, ich angefangen habe, Geld zu verdienen und der ein oder andere Film entwickelt war, leistete ich mir eine Canon EOS 350D – die digitale Spiegelreflex leistet mir bis heute gute Dienste.

Aber das intensive Beschäftigen hat mich nicht nur dazu gebracht, mir bessere Werkzeuge zu leisten, sondern die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen. Fotografie hat mich dazu gebracht, meine Umwelt wacher und aufmerksamer zu betrachten und ich freue mich über die Schönheit und all die Kleinigkeiten, die man im hektischen Alltag sonst übersieht.

Kennst du die Szene mit der im Wind tanzenden Plastiktüte aus „American Beauty“? Lange Zeit habe ich diese Szene nicht richtig verstanden. Aber jetzt beginne ich, sie wirklich zu verstehen. So wie Ricky diese Tüte als „the most beautiful thing I have ever filmed“ bezeichnet und eine tiefere Bedeutung hinter dieser Szene sieht, so eröffnen mir fallende Blätter oder Wellen, die vom Wind erzeugt werden, einen Blick in eine andere Welt, die ich bisher nicht gesehen habe, weil ich sie nicht bemerkt habe.

Mit Hilfe meiner Kamera kann ich diese schönen Momente festhalten und mit Hilfe der Fotos kann ich sie mir immer wieder in Erinnerung rufen (Ricky: „Video is a poor excuse, I know. But it helps me to remember. I need to remember.“)

Fotos anzuschauen – seien es die eigenen oder die von anderen – macht großen Spaß, weil sie einen ganz individuellen Blick auf die Welt zeigen. Fotos anschauen erweitert den eigenen Horizont und schärft den Blick für die Sachen, die uns oft verborgen bleiben.

2 Kommentare

  1. Ich kann deine Gedanken nachvollziehen. Mir geht es ähnlich. Wenn ich draußen bin und fotografiere, dann denke ich manchmal darüber nach ob es überhaupt Sinn macht alles festzuhalten. Viele Motive wurden ja schon tausendfach abgelichtet. Bis dann das eine besondere Blatt fällt oder eine zufällige Wolkenkonstellation ganz besondere Lichtverhältnisse zaubert.

    Ich denke diese ungeplanten Zufälle machen das Fotografieren besonders spannend und auch wertvoll.

  2. Ja – und es ist der Moment, den wir mit einem Foto, das wir selbst geschossen haben, verbinden, der das Foto zu etwas Besonderem macht. Wenn es dir gelingt, diesen persönlich erlebten Moment so im Foto festzuhalten, dass auch andere diesen Moment erahnen können, hast du ein gutes Foto gemacht.

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