Ein Blick zurück

Jonas ist nun fast ein Jahr alt und es ist Zeit, einmal auf das vergangene Jahr zurückzublicken.

Ein Kind verändert alles, heißt es immer. Ich kann nun sagen: das stimmt. Was das aber wirklich bedeutet, kann man nur nachempfinden, wenn man selbst Mama oder Papa geworden ist. Es ist nicht nur so, dass man an den Wochenenden nicht mehr bis Mittag schlafen kann oder nun den halben Hausrat mitschleppt, wenn man mal wegfährt, man verändert sich selbst auch unheimlich. Zu Anfang ist man unsicher, hat Angst, mit dem kleinen Würmchen nicht alles richtig zu machen, aber diese Angst verfliegt sehr schnell. Ich habe am Anfang viele Bücher gelesen, wollte immer wissen, was ein Baby nun können muss, wie es sich entwickelt und was man so alles tun kann oder soll. In den ersten Wochen und Monaten hat mir das Sicherheit gegeben, aber irgendwann hab ich die  Bücher immer seltener und irgendwann gar nicht mehr in die Hand genommen, weil ich gemerkt habe, dass das allerbeste für uns war, wenn ich einfach auf mein Bauchgefühl gehört habe. Sicher ist es wichtig zu wissen, wie ein Kind sich entwickelt und wie man es dabei sinnvoll unterstützen kann, aber jedes Kind entwickelt sich individuell und das ständige Vergleichen mit anderen Kindern oder irgendwelchen Tabellenwerten machen nur unsicher. Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht.

Der Mutterinstinkt ist sehr stark, selbst ein Tiefschläfer wie ich hört das Baby nachts weinen, da braucht man gar keine Bedenken haben. Auch wenn uns die Industrie glauben machen will, dass wir unbedingt irgendwelche Geräte brauchen, die Alarm geben, wenn das Kind mal ungleichmäßig atmet – mir würde das keinen Deut mehr Sicherheit geben, ganz im Gegenteil, wahrscheinlich würde mich das verrückt machen. Wir haben Jonas mit 6 Wochen nebenan in seinem eigenen Zimmer schlafen lassen. Im Nachhinein betrachtet war das eine sehr gute Entscheidung. Jonas und ich haben besser geschlafen, weil ich nicht ständig nach ihm geguckt habe und er ist dadurch heute selbständiger als andere Kinder. Er spielt schon ein paar Minuten allein in seinem Zimmer und schläft wunderbar in seinem eigenen Bett. Mir hat es die Sicherheit gegeben, dass ich ihn höre, wenn er mich braucht und ich mich auf meine Instinkte verlassen kann. Einen Rat, den ich allen werdenden Eltern geben kann: Probiert Dinge einfach aus, euer Kind wird euch zeigen, ob es sich wohl fühlt oder nicht. Ihr werdet auch merken, ob ihr damit klarkommt oder ob ihr lieber etwas anderes ausprobiert. Habt Vertrauen in euch selbst und in euer Baby.

Mir hat mal jemand gesagt „Aber ich hatte doch noch nie ein Baby, ich kann gar keine gute Mutter sein, so ganz ohne Erfahrung.“ Quatsch – dann wären alle Mütter von Einzelkindern schlechte Mütter. Und wenn ihr euch mal unsicher fühlt, es gibt viele Leute mit Erfahrung, die euch weiterhelfen können – andere Mütter, Kinderärzte, Hebammen. Es gibt so viele neue Dinge, die als Eltern auf einen einstürmen, dass man sich oft verlore fühlt und gar nicht weiß, was nun richtig ist – das Kind muss ins Tragetuch, Babyschwimmen ist schädlich, Brei darf nicht in der Mikrowelle erwärmt werden, etc. pp. Auch hier wieder mein Rat: tut das, was ihr meint, dass es euch gut tut, lasst euch nicht in irgendwelche Dogmen reinpressen und lasst auch mal einen gutgemeinten Rat links liegen.

Ich merke an mir selbst, dass ich viel gelassener geworden bin und mich nicht mehr über Dinge ärgere, die ich sowieso nicht ändern kann – die Energie nutze ich lieber für andere Dinge. Die Liebe, die man spürt, wenn man von seinem Kind angelächelt wird oder es schlafen sieht, ist durch nichts zu beschreiben und ist mit nichts anderem vergleichbar. Es ist einfach wunderbar.

Die ersten Wochen waren sehr anstrengend, man war ständig müde und das hat doch sehr gezehrt – aber das ging vorbei und war irgendwie auch schnell vergessen. Jeder Tag ist schön, auch wenn einer von uns mal nicht gut drauf oder gar krank ist. Wir sind so unheimlich dankbar dafür, ein fröhliches und gesundes Kind zu haben und es fühlt sich so an, als ob wir schon ewig zu dritt sind. Es ist ganz einfach purer Wahnsinn, wie schnell sich ein Kind gerade im ersten Jahr entwickelt, wie schnell es wächst und wie rasch es neue Dinge lernt. Jonas ist im ersten Jahr fast 30cm gewachsen, hat sein Geburtsgewicht verdreifacht und macht langsam die ersten Schritte. Wir können uns gegenseitig mit Lachen anstecken, kugeln uns im Bett rum und meistern unseren Alltag.

Man lernt Dinge zu schätzen, die man vorher gar nicht wahrgenommen oder einfach als selbstverständlich hingenommen hat: Waschmaschine, Wäschetrockner, Einwegwindeln, Mikrowelle, Auto, … sicherlich würden mir noch mehr einfallen. All diese Dinge nehmen einem Arbeit ab und geben einem Zeit, die man mit seinem Kind verbringen kann.

Aber auch: ich finde es wunderbar, wieder arbeiten gehen zu können. Mama sein ist toll und es wird einem auch garantiert nicht langweilig aber ganz ehrlich – es füllt mich nicht aus und in den letzen Wochen, bevor Jonas in die Kita gekommen ist, ist mir ganz schönd die Decke auf den Kopf gefallen. Jetzt kann ich halbtags „geistig arbeiten“ und nachmittags dafür eine intensivere Zeit mit Jonas verbringen. Jonas ist in der Kita mit anderen Kindern zusammen und lernt, mit ihnen umzugehen, was ich sehr wichtig finde – das sind Dinge, die ich ihm nicht beibringen kann, vor mir muss er sein Spielzeug nicht verteidigen und ich bin auch nicht auf seine Kekse scharf 😀 Wir profitieren beide davon.

3 Kommentare

  1. Danke schön, Ines! Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, das mal aufzuschreiben – es spukte mir schon lange im Kopf rum. Und vielleicht hilft es auch dem ein oder anderen jungen Elternpaar (in spe).

  2. Ja, ich werde diesen Eintrag jedenfalls meinem Cousin zukommen lassen, der ja kürzlich Vater geworden ist.

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