Servicewüste Deutschland

Ich habe ja schonmal hier und hier darüber geschrieben, wie mich die Servicewüste Deutschland nervt. Und ich habe auch darüber geschrieben, wie es — zur Freude aller — anders gehen kann. Gestern war mal wieder so ein Beispiel, wie es definitiv nicht laufen sollte.

Nach der letzen Mückenattacke beim Laufen in kurzen Hosen wollte ich mir noch eine längere Laufhose kaufen. Ich hätte wohl wieder zu Runner’s Point gehen sollen, da wäre ich als Kundin besser behandelt worden. Gestern war ich aber bei Intersport im Flora Park und wenn ich zart besaitet gewesen wäre, hätte ich den Laden wohl unter Tränen verlassen. Aber das mit dem zartbesaitet sein hab ich mir gottseidank abgewöhnt. Ich betrete also den Laden, den Zwerg im Wagen im Schlepptau. Ich gucke mich um, schaue links und rechts, finde aber irgendwie nicht das richtige. Ah, da hinten scheint eine unterernährte Verkäuferin gelangweilt auf Kunden zu warten. Ich steuere auf sie zu und spreche sie an, frage nach 3/4 langen Laufhosen. Sie guckt mich an, guckt in Jonas‘ Wagen, guckt wieder zurück, mustert mich von oben bis unten, zieht die Augenbrauen hoch und sagt nur knapp „Für Sie?“ (sie hat wohlbemerkt nicht mal „Hallo“ gesagt). „Ja, die soll für mich sein“. Sie mustert mich wieder, ihr Blick bleibt irritiert an meinen Hüften kleben. „Welche Konfektionsgröße haben Sie denn?“ „40.“ Sie kann ihre Augenbrauen nun eigentlich kaum noch höher ziehen und nachdem sie ihren Mund wieder entkräuselt hat, meint sie nur: „Naja, diese Hosen fallen alle recht knapp aus, da nehmen wir am besten gleich noch eine Nummer größer.“ Autsch! Sie zeigt mir das ein oder andere Modell – so groß ist die Auswahl in dieser Konfektionsgröße leider nicht, aber irgendwie sagen die mir alle nicht zu. Sie hat offensichtlich keine Lust, mir mehr zu zeigen, da kommt ihr ein anderes Kundenpärchen, das gerade mit einem Inlineskate winkend (WTF?) den Laden betritt. Die Verkäufering guckt mich ein letztes Mal an, sagt noch kurz „Sie können ja mal noch da hinten gucken, da hängen die Fitnesshosen, die können Sie auch zum Laufen anziehen.“, wedelt dabei mit dem Arm in eine undefinierte Richtung und wieselt in Richtung winkendes Skaterpärchen. Hallo? Strohlballen rollen durch den Laden, ich höre im Geiste die Mundharmonika, die mir das „Lied vom Tod“ spielt und ich fühle mich sehr einsam.

Im Nachhinein ärgere ich mich nur noch über mich selbst, dass ich dort tatsächlich noch eine Fitnesshose gekauft habe, die ich dann doch noch gefunden habe. Eigentlich hätte ich auf dem Hacken kehrt machen und den Laden verlassen sollen. Aber ich wollte doch sooo gerne eine Hose kaufen. Argh!

Ich kann es nicht oft genug sagen, solche Mitarbeiter des Einzelhandels sind der Grund, warum ich so gerne online einkaufe. Sollte ich wohl noch viel öfter machen.

Photo credits: Hamed Saber

11 Kommentare

  1. Grundsätzlich hast du recht. Aber da ich Kleider garnicht gern online kaufe (aufgrund undefinierbarer Figur und extrem unterschiedlich ausfallenden Kleidergrößen) und da ich mich auch in den Geschäften in den allerseltensten Fällen freiwillig beraten lasse, stört mich die Servicewüste beim Klamottenkauf nicht ganz so doll.

  2. Einfach nix kaufen u. negative Mundpropaganda. Die besten Mittel um solche Zustände zu ändern.
    Bei meiner besseren Hälfte hätte die Luft in dem Laden gebrannt. Wenn sie rot anläuft, verlasse ich den Laden u. kann das „Service“-Personal dann nur noch bedauern … 🙂

  3. @Ines: Ja Kleidung kaufen geht halt im Laden immernoch am besten, man sieht und fühlt den Schnitt, das Material, die Größe. Sowas kauf ich auch nicht so gern online oder im Katalog, da gab es schon einige Reinfälle. Naja und direkt beraten lassen wollte ich mich wegen der Hose auch nicht, aber ein bisschen Aufmerksamkeit und das Gefühl, die Dame ist daran interessiert, was zu verkaufen, wäre schon echt klasse gewesen.
    @Sunzi: Hehe, deine bessere Hälfte hat anscheinend Feuer. Sollte ich auch mal probieren. (Schön mal wieder einen Kommentar von dir zu lesen!)

  4. Also ehrlich gesagt, finde viel typischer Deutsch sich über sowas wirklich aufzuregen als es typisch Deutsch sein soll mit schlechter Laune bedient zu werden.

    In Frankreich und anderswo kriegt man oftmals viel genervtere Gesichter zu Auge.

  5. OK, dann Memo an mich selbst: Nie in Frankreich shoppen gehen, dann doch lieber in den USA, Canada oder UAE (wo gibts noch guten Service im Einzelhandel?)

  6. Einfach dort hin fahren, wo man einfach gefeuert wird, wenn man unfreundlich ist. Das ist in der EU schon seltener anzufinden als in den Staaten.

  7. Oder halt Online kaufen. Haben eine Wolfskin-Jacke auch Online bestellt, nachdem wir im Laden nicht beraten wurden und man die Farbe nicht hatte. Sicher, auch der Laden hätte die Jacke in kurzer Zeit bestellen können – aber warum solch eine Einstellung noch unterstützen, wo man sie online zum selben Preis bekommt.

    @Bernd: Typisch Deutsch kann dieses Jammern über miese Verkäufer so recht nicht sein – ich habe bisher solche Beschwerden fast nur von Leuten gehört, die es anders kennen (USA, …). Und dorthin zureisen ist nun mitnichten typisch Deutsch.

  8. Achja, Voswinkel Intersport im Florapark Mageburg.

    Das Angebot wird immer schlechter und die Verkäufer immer „netter“.

    Schau mal ins Sport2000 (neben C&A gegenüber des AlleeCenters) rein, da ists wirklich nett und die Auswahl irgendwie hmmm.. stimmiger.

  9. Ah Sport2000, da war ich noch nicht. Ansonsten finde ich auch SportScheck im Allee Center nicht schlecht, da bin ich letztens auch sehr nett beraten worden (ist aber auch etwas teurer …)

  10. Eine wie ich finde ziemlich einseitige Sichtweise der Dinge , denn für alles gibt es einen Grund und als Kunde ist es dann immer der “ böse Berater „.
    Der Verkäufer ist das letzte Glied in einer Kette und es gibt genügend erfahrene und ausgebildete Verkäufer die wissen was Kundenservice bedeutet .
    Vielleicht sollte ihr euch mal überlegen woran es liegt das man nicht auf ausgebildete Verkäufer setzt sondern sich „Studis “ und Langzeitpraktikanten in die Läden holt .
    Ich stelle sehr oft fest , das es sehr oft Firmenpolitik ist und die Kundenbeschwerden sich immer auf eine Person fixieren ( eben das letzte Glied ) anstatt die Firma und Ihre Politik direkt zu hinterfragen .
    Solange man wie in diesem Blog nicht über das ganze diskutiert , sondern sich weiterhin über die „böse“ Beraterin echauffiert wird man auch nicht weiterkommen .

  11. Der Verkäufer ist das letzte Glied in der Kette – richtig. Er stellt die Schnittstelle zum Kunden dar und ist damit mein Ansprechpartner und das Aushängeschild der Firma. Wenn ich einen Laden besitzen würde, würde ich mir sehr genau anschauen, wer meine Kunden wie berät – dass das nicht ausgebildete Personen meistens nicht so gut können wie solche, die das Verkaufen gelernt haben, liegt in der Natur der Dinge. Sicher sind Studies oder Praktikanten billiger in den Lohnkosten, wenn mir aber deswegen die Kunden davonlaufen, geht die Rechnung auch nicht auf.
    Leider beschreibst du in deinem Kommentar auch keine anderen Ideen, wie man etwas konkret an solchen traurigen Episoden ändern kann. Ein Echauffieren über Echauffieren bringt es leider auch nicht.

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