Plädoyer für besseren Sportunterricht

Es ist für mich immernoch nahezu unfassbar. Sport macht Spaß. Nach dem Laufen fühle ich mich großartig. Warum war das nicht schon früher so? Warum mochte ich Sport nicht?

Nun, ich gebe zu, ich gehörte zur den „unsportlichen“ Kindern, die immer als letzte in die Mannschaft gewählt wurden und deren Sportnoten auf dem Zeugnis immer ganz hässlich zwischen den anderen guten Zensuren nach Aufmerksamkeit haschten. Ja ja, ich war schon früher ein Bücherwurm und Geek. Ich mochte deswegen den Sportunterricht nicht, weil ich nicht gut darin war, und das wurde mir in jeder einzelnen Stunde immer wieder vor die Nase gehalten. Blödes Gefühl.

Aber ich weiß jetzt, ich bin nicht unsportlich. Gibt es überhaupt so etwas wie Unsportlichkeit? Ich denke nicht.

Ich habe gelernt, dass mit Technik sehr viel zu erreichen ist. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich einmal in der Woche mit einem Freund Sport mache und er mir unheimlich viel zeigt und viel an mir rumkorrigiert (Kudos @Chris!). Das macht Spaß, weil ich merke, dass dieses Korrigieren wirklich Veränderungen mit sich bringt. Beispielsweise haben wir letzte Woche mit Mini-Plastik-Speeren (Turbojev) geworfen. Ich hatte vorher noch nie zuvor in meinem Leben einen Speer in der Hand und hatte keine Ahnung, wie ich das Ding am besten von mir wegschleudern sollte. Chris hat es mir gezeigt und nach ein paar Versuchen flog das Ding schon ganz gut durch die Luft – ohne wirklichen Einsatz von Armkraft, mehr mittels Körperspannung und Haltung. Technik ist das Zauberwort. Oder bei den Sprints — gut vom Start wegkommen, Tempo halten, Gesicht nicht zur Faust ballen, Kugelblitzhaltung 😀

Wenn ich an den Schulsport zurückdenke – auweia. Schlagballwerfen … „ja hier nimmt sich mal jeder einen Ball und dann werft ihr mal, ich messe dann die Weite“. 60m-Lauf: die Sportlehrerin stand an der Ziellinie, bewaffnet mit Trillerpfeife, Stoppuhr und dem verhassten Tabellenheft. *pfeif*, *stoppuhrklick*, *seitenraschel* – „5, kannst dich umziehen gehen“. Ja, ähm, danke. Beobachten und korrigieren? Fehlanzeige!

Kinder werden immer dicker und bewegen sich kaum noch. Der Schulsport spielt eine wichtige Rolle dabei, Kindern zu zeigen, das Bewegung Spaß machen kann (schon dadurch, dass Sport ein Pflichtfach ist – im Gegensatz zu Sport in Vereinen in der Freizeit). Liebe Sportlehrer, bitte legt Eure Mess-Gerätschaften beiseite und zeigt den Kids, wie Sport Spaß macht. Motiviert sie und lasst sie sich gegenseitig motivieren, ganz ohne Trillerpfeife und Tabellen. Es ist ein unheimliches Aha-Erlebnis, wenn man merkt, dass man den Bogen raus hat, weil jemand einem gezeigt hat, wie man schnell rennen kann. Ich hätte dieses Aha-Erlebnis gern schon früher gehabt, nicht erst mit fast 30.

4 Kommentare

  1. Das sollte heute eigentlich der Standard im Sportunterricht sein. An meiner Schule ist der auch Wirklichkeit.

  2. hey, gut geschreiben – aber
    hast du so viele sportlehrerInnen als leser? mal ehrlich, du hast das nicht nur hier deponiert oder?!

  3. @loecherkäse: Öhm, keine Ahnung ob überhaupt Sportlehrer dieses Blog lesen. Bisher hat sich keiner geoutet. Diesen Artikel gibt es nur hier aber wenn dir danach ist – spread the word!

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