Was habt ihr am 09.11.1989 gemacht?

Heute vor 20 Jahren ist die Mauer gefallen. Das Fernsehen ist voll mit Reportagen darüber, wie es denn wirklich passiert ist. War es die Frau, die unbedingt durch das Brandenburger Tor gehen wollte und letztlich mit einem DDR-Grenzer wirklich durch das Tor geschritten ist? War es der Bild-Reporter, der in der Pressekonferenz mit Günter Schabowski nachfragte, ab wann die Reisefreiheit denn gelten würde? Oder war es doch David Hasselhoff?

Ich war damals 10 und hatte keine Ahnung, was das bedeutete. Vielen Erwachsenen ging es wahrscheinlich genauso. Ich weiß nur noch, dass ich mit einer Freundin draußen spielte, und sie mir nebenher erzählte: „Erich Honnecker ist weg“. Mmh. OK, zur Kenntnis genommen. Und jetzt?

Ein Junge aus unserer Schulklasse war plötzlich verschwunden, später stellte sich heraus, dass die ganze Familie rübergemacht ist.

Ein paar Wochen später, es war in der Vorweihnachtszeit, tuckerte die ganze Familie dann mit dem Trabbi nach Braunschweig. Meine Tante war auch dabei, in deren Trabbi ein neugieriger Braunschweiger mal Probesitzen durfte.

Begrüßungsgeld abholen. Einkaufen gehen. Meine Erinnerung ist, dass alles sehr bunt und sehr hell war. Eine freundliche Verkäuferin stürmte auf uns zu (sie hatte uns wohl auf den ersten Blick als Ossi erkannt) und schenkte uns Kindern Milka-Schokolade. So war er also, der goldene Westen. Mein Mitbringsel von „Drüben“ war ein Walkman, den ich fortan hütete wie meinen Augapfel. Meine Schwester war komplett überfordert mit der Situation, sich aus dieser riesigen Auswahl etwas auszusuchen und entschied sich irgendwann später für einen rosa Plüschhund mit Fernbedienung, der laufen und bellen konnte. Meine Eltern kauften sich ein Tiffany-Lampen-Imitat (die sie heute noch besitzen) und eine billige Steroanlage.

Was habt ihr am 09.11.1989 erlebt. An was erinnert Ihr euch? Ich bin gespannt auf eure Geschichten.

[photo credits: eightydaysjet]

7 Kommentare

  1. was habe ich 1989 am 9.11. gemacht? zuerst stirnerunzeln; weiss ich das noch??? altersmässig denke ich erst meine hirnzellen bringen mich nicht mehr zurück in diese zeit, aber dann weiss ich’s doch wieder! war damals ein paar jährchen älter als du und konnte mir schon so einiges darunter vorstellen, weil meine eltern immer noch verwandte in dieser gegend hatten. in den radiostationen war das auch ein grosses thema und am abend klapperten wir die paar fernsehstationen ab um zu sehen was sich da tatsächlich getan hat! fazit: gestaunt hab ich am 9.11.1989! 😉

  2. 09.11.1998
    Stell dir mal die typische DDR-Wohnstube vor:
    -die standard braun lackierte Schrankwand,
    -nen Fersehen mit 5 Programmen (ich glaube 2 warn ausm Westen)
    -nen brauner MuFuTi
    -und diese karierte Couch mit 2 Sesseln mit schwarzer Armlehne 🙂

    Ich weis noch wie wir damals in großer Runde. (mein Vater hat am 10.11.Geb und wir wollten rein feiern) in der Stube vorm Fernseher gessen haben 🙂 Ich saß damals auf dem Boden vor nem Sessel und irgendwie haben alle ganz gebannt auf den Fernseher geguckt. naja do richtig hab ich das natürlich nicht 100% verstanden, aber zumindest gabs plötzlich schon am 09.11. Sekt… ein paar Stunden zu früh….

    ich glaube wir sind erst Anfang Dez. rüber, über die Grenze und dort gleich in nen Supermarkt, mitten im Niemandsland…oder vielleicht wars auch ne kleine Stadt… ich weiß nur das wir Bananen gekauft haben usw. naja das Begrüßungsgeld haben wir erst im Febr. beim Besuch von Verwandten in der Nähe von Bonn ausgegebn (nen kleiner Plasik-Roboter mit eingebautem Anstoßsensor)

  3. 🙂 MuFuTi hatten wir auch. Mit Kurbel zum hochleiern *kicher*. Und sogar nen Farbfernseher mit Fernbedienung, den meine Eltern noch im August 89 für sagenhafte EVP 7000 Ostmark käuflich erworben haben (der hat auch später in unserer Studentenbude gute Dienste geleistet). Aus heutiger Sicht finde ich es ein bisschen schade, dass man selbst diese spannende Zeit damals noch nicht so richtig mitbekommen und verstanden hat.

  4. ich wünschte ich könnte mich erinnern, ich war damals erst 4. ;)… habe leider keine erinnerungen, was ich an diesem tag gemacht haben. meine ma sagte, wir haben nur nachrichten geguckt 😉 später sind wir dann das erste mal nach helmstedt, begrüßungsgeld abgeholt! hihi.

  5. Ich stand im Studentenwohnheim etwas ungläubig über den neuen (alten) Gemeinschaftsfernseher gebeugt (der benötigte immer etwas „Nachhilfe“, um das Programm (a) zu finden und (b) zu behalten…) und dachte mir schon im Laufe des Abends, als eine Nachrichtensondersendung nach der nächsten gesendet wurde, dass uns da Großes bevorstehen würde. Das ging ja schon den ganzen Sommer/Herbst so, dass eine Meldung über ausreiseentschlossene DDR-Bürger in irgendeiner westdeutschen Botschaft saßen bzw. über einen „grünen“ Grenzteil der sozialistischen „Bruderstaaten“ rübermachten.
    Wirklich interessant war dann der erste Samstag nach dem 9.11.89, als die ersten „Ossis“ in größeren Schwärmen in unser verschlafenes München einfielen. Keine Parkplätze mehr, ungewohnter Zweitakt-Klang (und -geruch) auf den Straßen, Schlangen vor den Postämtern (-> Begrüßungsgeld), ausgelassene Euphorie und Staunen auf der einen Seite…und natürlich die „alteingesessenen Münchner“ (=“Grantler“) auf der anderen Seite, die sich (natürlich) über die ganze Sache fürchterlich beschwert haben 🙂

  6. „Wessi“-Erinnerungen 😉

    Ich kann mich relativ gut an diesen Tag erinnern. Ich musste den ganzen Tag für eine anstehende Prüfung lernen, hatte mir danach zur Entspannung die Glotze angeknipst u. Wein getrunken.

    Ungläubig guckte ich Nachrichten, hatte einen fetten Kloß im Hals, wahrscheinlich auch feuchte Augen u. hab mich für Menschen gefreut, die ich nicht kannte. Tage (Wochen) später knatterten die ersten Trabis durch Giessen, wie zum Beweiss, dass die Nachrichten nicht gefaked waren.

  7. Wir hatten kein „typisches“ Wohnzimmer. Wir hatten einen großartigen Esstisch aus der Vorkriegszeit, den ich inzwischen nebst Stühlen übernommen habe, ein Klavier, einen runden Glastisch, und so rote und gelbe Sessel. Unser Fernseher war rot und ein Buffet gabs, das war bestimmt auch aus der Vorkriegszeit.

    Nun, wie auch immer. Wir wohnten in Dresden damals, und ich war gerade 9 Jahre alt geworden. Ich weiss sicher, dass ich nichts von der Wende mitbekommen habe an diesem Tag, und ich behaupte dass meine Eltern das auch nicht taten. Zumindest redeten wir nicht über so etwas, und sie waren auch nicht glücklicher als sonst oder so etwas. Was da wirklich vor sich ging, habe ich wohl erst Jahre später begriffen.

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