Sunday is run day

Heute hab ich mich mal auf die Eisbecher-Route gewagt. Dahinter verbirgt sich eine 8km lange Rundtour durch Wald und Feld hinter unserem Haus. Ich habe mich auf eine Wette mit Coach Chris eingelassen: Wenn ich diese Strecke bis zum 15.9.2016 in 48min schaffe (entspricht also 6min/km), gibt mir der Coach einen Eisbecher aus. Schaffe ich es nicht, muss ich den Geldbeutel zücken und ein Eis ausgeben. Das Wetter war grandios und so bin ich heute mal die Strecke abgetrabt. Vorgenommen hatte ich mir nichts, ich hatte genug Zeit, Ziel war ankommen. Also, Kaffee eingefüllt, Laufklamotten an und los ging’s.

Kilometer 1

Eminem quakt in mein Ohr. Sing for the moment. Ja, recht hat er. Schön sonnig aber sehr kalt. Meine Finger tun weh. Ich hätte Handschuhe anziehen sollen. Die ersten Hundegänger kreuzen meinen Weg. Puh, ich hätte mich besser aufwärmen sollen, ich bin aus der Puste. Vielleicht ein bisschen zu schnell gestartet … mal wieder. Gehpause! Meine Nase läuft wie verrückt und ich zücke mein Taschentuch. Tempos sind gehören zur Grundausrüstung beim Laufen. Wenn ich loslaufe, tut es meine Nase auch, zumindest wenn es kalt draußen ist.  Ohne Tempo geht’s nicht. Manche Läufer schießen mit Snot Rockets um sich, aber das ist nicht so ganz ladylike und ich bin auch zu doof dafür (hab’s versucht, war keine gute Idee).

Kilometer 2

Weiter gehts. Ich laufe an der Pferdekoppel vorbei, die Vierbeiner kauen gelangweilt Heu und schenken mir keine Beachtung. Der umgefallene Baum liegt immer noch quer über den Weg und ich springe behände wie eine Gazelle darüber … oder so ähnlich. Der Wald duftet herrlich. Es geht ein bisschen abwärts, das gibt Schub. Soundtrack für Kilometer 2 ist Queen „Don’t stop me now“. Passt. Die Strecke verläuft am Waldrand und ich kann die Autobahn sehen. Immer wenn ich hier lang laufe, freue ich mich, dass ich gerade nicht im Auto sitzen muss und frische Luft genießen kann.

Kilometer 3

Jetzt kommt dieser verdammte Abschnitt, den ich die Haarnadelkurve nenne. Eine scharfe Kurve, nach der es bergauf geht und wo der Untergrund sehr sandig ist, so dass man kaum Tritt hat. Sehr oft gehe ich hier ein Stück (wenn ich nicht gehen muss, freue ich mich dann wie ein Schneekönig, weil ich der Haarnadelkurve den Finger gezeigt habe. Ha!). Heute auch. Mir ist warm. Bin froh, dass ich keine Handschuhe angezogen habe.

Kilometer 4

Heute sind viele Hundehalter unterwegs und nutzen das schöne Wetter. Ich laufe ein bisschen langsamer. Alle halten ihren Hund kurz fest, wenn sie mich sehen. Ich freue mich,  lächle, wünsche einen guten Morgen und sage danke. Ich find das toll, wenn gegenseitige Rücksichtnahme so gut klappt. Ich komme am Abzweig für die 5km-Runde vorbei und bin kurz versucht, den Heimweg anzutreten. War ja draußen, war laufen, reicht doch, oder? Ach komm, die Sonne scheint so schön und du bist einmal draußen. Weiter gehts. Mehr Hunde. Soundtrack: Florence + the Machine: „Dog Days are over“.

Kilometer 5

Ich gehe wieder ein Stück, nachdem ich an den letzten Gassigängern vorbeigelaufen bin. Uffz. Bin über den Winter ganz schön unfit geworden. Den ganzen Februar war ich nicht laufen, weil ständig krank oder einfach nur meh. Freitag war ich das erste mal wieder los, gleich morgens vor dem Arbeiten. Aus den Kopfhörern kommt „Catch and Release“ von Matt Simons – ein Song der einfach perfekt zum Wetter passt. Ich halte kurz an und schieße ein paar Fotos von der tollen Frühlingswetterlandschaft und schnaufe kurz durch. Der Abzweig für die 6km-Runde …. ab nach Hause? Nah, weiter geht’s.

Kilometer 6

Mein Taschentuch gleicht einem feuchten Schwamm, was nicht nur von meiner inzwischen beruhigten Nase kommt, sondern von meiner schweißnassen Hand, die das Tempo umklammert. Die Beastie Boys schreien in mein Ohr, ich soll irgendwas sabotieren. Bin versucht, das versiffte Taschentuch in die Büsche zu schmeißen, halte es aber weiter tapfer fest. Diesen Streckenabschnitt mag ich besonders gern,  weil er ein Stück durch den Wald verläuft, man aber trotzdem noch auf’s Feld gucken kann. Im Sommer genießt man hier den Schatten, heute muss ich gucken, nicht über die vielen Wurzeln zu stolpern. Es kommt ein Rudel Nordic Walker entgegen, denen ich ein Guten Morgen entgegenschmettere. Früher hab ich ja immer über die Stockenten gelästert und mich über die Stöcke beschwert, die bei Wettkampfstarts gern mal als Waffen gegen Läuferbeine eingesetzt werden. Aus der Haltung bin ich rausgewachsen – vor allem, weil auch Walker schneller sind als Couch-Kartoffeln. Respekt gebührt jedem, der sich aufrafft, rausgeht und sich sportlich betätigt, egal was es ist. Ich komme an der Abzweigung an, die ich diesmal wirklich nehmen kann und die mich wieder in Richtung zu Hause bringt. Früher war das mal ein Feldweg, mittlerweile ist er asphaltiert und läuft sich sehr hart. Mir kommen ein paar Läufer entgegen, man grüßt sich lässig. Bin neidisch auf ihre kurzen Hosen, mir ist echt warm.

Kilometer 7

Heimweg, Heimweg! Langsam merk ich meine Gelenke, aber es läuft. Ohne Nachdenken tun die Beine, was sie sollen und ich denke über alles mögliche nach. Bei den magischen 48 Minuten sagt meine Uhr, dass ich noch 1.4km vor mir habe. Na das werd ich bis September hinkriegen oder?! Ich mag die Strecke.  Das Nachbarmädchen läuft mit einem Pferd an der Leine vor mir über den Weg. Gassi laufen mit Pferd. Why not? Aus den Kopfhörern tönt das Rocky-Theme. „Flying high now. It’s getting hard now. Trying hard now.“ Woher wissen die das? Genau so geht’s mir gerade.

Kilometer 8

Ich biege auf den letzten Streckenabschnitt ein, der zunächst ein bisschen bergab geht, durch den Wald, vorbei an einem Geocache, den ich mit Kind 1.0 mal gefunden habe. Ich fühle mich, als ob ich noch weiter laufen könnte, beschließe aber, es für heute dann mal gut sein zu lassen, wir wollen es ja nicht übertreiben. Schnaufend komme ich zu Hause an und fühle mich großartig. Ich freue mich, dass ich die ganze Strecke abgelaufen bin, über das tolle Wetter, die vielen Leute, die unterwegs waren. Wasser! Jetzt! Taschentuch wegwerfen, das an meiner Hand klebt. Und ne Dusche. Laufen ist ein tolles Hobby! Soundtrack: Bruce Springsteen „Born to Run“

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