Ich habe mein Facebook-Profil deaktiviert. Obwohl ich auf Facebook sehr aktiv war – Beiträge geschrieben, geteilt, geliked, Nachrichten geschrieben.

Obwohl? Nein, eher genau deswegen. Zu groß war die Ablenkung. Da war so ein nagendes Gefühl im Hinterkopf, dass mich innerlich dazu zwang, ständig nachzuschauen, ob nicht jemand meinen Status geliked hat oder ob es nicht ein neues süßes Katzenvideo gab.  Völlig sinnloses Zeug. Meine sowieso schon knappe Freizeit wurde von geistigem Junk Food gefressen. Und ein paar meiner Gehirnzellen gleich mit. Es hat mir Energie geraubt und mich ausgepowert – dieses ständige Unter-Strom-Sein, ständig in der Erwartungshaltung, dass irgendwas passiert.

Ich wollte das nicht mehr. Ich habe gemerkt, dass mir das nicht gut getan hat. Die ständige Ablenkung von Arbeit und anderen wichtigen Aufgaben haben an meiner Aufmerksamkeit geknabbert und ich konnte mich nicht mehr richtig konzentrieren. Ich habe versucht, meine Facebook-Zeit einzuschränken, aber das gelang mir nicht konsequent. Rückblickend fühlte sich das wirklich wie eine Art Suchtverhalten an. Ich konnte nur noch eins tun: die Notbremse ziehen.

Mein Facebook-Account ist deaktiviert. Mein Profil ist nicht mehr sichtbar, man kann mir keine Nachrichten mehr schicken und ich tauche nicht mehr in irgendwelchen Gruppen auf.

Die ersten Tage waren seltsam. Das Verlangen, mal bei Facebook reinzuschauen, war immer wieder da, und dann kam die Erkenntnis, dass es da ja nichts mehr zu schauen gibt.  Ich hatte Angst, ich könnte etwas verpassen – ein Phänomen, das auch unter FOMO bekannt ist (fear of missing out).

Und was ist passiert? Nichts. Die Erde dreht sich weiter, ich verpasse nichts wirklich (und wenn, war es schlichtweg nicht wichtig). Mittlerweile fühle ich mich tatsächlich etwas befreiter. Ich hatte auf Facebook viele „Freunde“, von denen sich tatsächlich nur zwei per Whatsapp erkundigt haben, warum mein Account weg ist. Sie haben es gemerkt, weil sie mir etwas schicken wollten. Der Rest hat es vielleicht einfach noch nicht bemerkt, oder es ist einfach egal. Diese Vernetzung lässt die Welt näher zusammenrücken, sorgt aber gleichzeit dafür, dass Verbindungen zwischen Menschen weniger stark und zuverlässig sind.

Facebook ist immernoch eine tolle Möglichkeit mit Leuten in Kontakt zu bleiben. Aber das Informationsrauschen war mir einfach zu viel. Ich will das nicht mehr.

In diesem Zusammenhang habe ich letztens ein sehr interessantes Interview gelesen. In „Warum ist Mensch sein zurzeit eigentlich so anstrengend?“ sprechen die  Zeit-Redakteure Tobias Hürter und Max Rauner mit Yuval Harari darüber, welche Anforderungen die Gesellschaft an die Menschen stellt und welche Probleme das mit sich bringt. Eine Passage ist mir besonders im Gedächtnis geblieben und ich denke  nun schon seit einigen Tagen darüber nach. Yuval Harari spricht davon, dass der Mensch durch die Technisierung und Digitalisierung unserer Leben den Kontakt zum eigenen Körper verloren hat. Die ganzen Hilfsmittel – immer verfügbares Wissen und Informationen wie Wikipedia-Seiten und Kalender-Erinnerungen verführen uns zum Faulsein. Auf seine Sinne muss man sich nicht mehr verlassen können. Ich muss mir z.B. keine Termine oder Telefonnummern mehr merken, ist ja alles im Smartphone gespeichert, und das habe ich sowieso immer dabei. Das ist tatsächlich so eine Fähigkeit, die mir abhanden gekommen ist. Ich kann mir keine Termine mehr merken und muss tatsächlich Sonntag abends in mein Handy gucken, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die kommende Woche wird. Die Achtsamkeit leidet. Details aus Gesprächen gehen in meiner Erinnerung verloren, wahrscheinlich gehen sie unter im Informationsrauschen, mit dem ich mich sonst so zudröhne.

Ich glaub, ich muss mal auf Informations-Diät.

Artikelbild: Free Software Foundation