025 - Jobsearch

Mein Vertrag an der Uni endet im Dezember diesen Jahres und ich habe angefangen, mich nach einem neuen Job umzusehen. Einige Vorstellungsgespräche hatte ich schon, von denen die meisten im Prinzip ganz gut verlaufen sind. Bis es dann zum Thema Gehalt ging. Dann kneifen die Firmen den Schwanz ein und speisen einen ab. Bäm. Es ist frustrierend. Schlimm ist eben, dass unsere Gegend wohl ein geringeres Durchschnittsgehalt als andere Gegenden Deutschlands (Süddeutschland!) aufweist. Wir stehen früher auf – damit wir den weiten Arbeitsweg in ein anderes Bundesland pünktlich schaffen. Umziehen ist aber keine Option.

Bei einem Gespräch wurde mir von meinem Gegenüber gesagt, dass meine Gehaltsvorderungen zu hoch sind, ich hätte dazu zu wenig Berufserfahrung. Das war gerade heraus, was ich sehr schätze. Dennoch hat es an meinem Ego gekratzt, wohl auch, weil ich wusste, dass dieser Gegenüber geringer qualifiziert war als ich.

Ich bin wohl durch die letzten Jahre im öffentlichen Dienst einfach immens verwöhnt und habe keine Ahnung von der Welt da draußen. So kommt es mir langsam vor und das ist das Feedback, was man so bekommt.

Mitunter hab ich sogar schon mit dem Gedanken gespielt, mich selbstständig zu machen. Dann liest man sich ein bisschen ein in die Materie, bekommt Angst vor dem hohen Risiko und verschiebt das Vorhaben auf ein ominöses „Später“.

Ich möchte einen guten Job, der mich ausfüllt, der gut mit der Familie vereinbar ist und eben auch angemessen bezahlt wird. Das Gesamtpaket muss passen. Und „unter Wert“ will ich mich natürlich auch nicht verkaufen.

Die Wirtschaft jammert, dass es keine gut ausgebildeten Fachkräfte gibt. Nun, es gibt sie schon, sie kosten nur wohl eben mehr, als sie bereit sind, zu würdigen und zu bezahlen. Kann doch eigentlich nicht so schwer sein.

Muss ich jetzt aus meiner rosa Seifenblase ausbrechen und Kompromisse eingehen, die ich eigentlich nicht eingehen möchte? Bin ich jetzt hochqualifiziert für nix? Oder halt ich einfach noch ne Runde die Füße still und harre der großartigen Dinge, die da kommen mögen?!

[photo credits: Julie Walraven]

In den letzten Jahren gab es an dieser Stelle meine Vorsätze für das neue Jahr zu lesen. In diesem Jahr gibt es keine Vorsätze – weil Neujahrsvorsätze dazu verdammt sind, sich nach anfänglicher Strohfeuerbegeisterung ganz schnell zu verkrümeln und irgendwann ein „Na dann eben nächstes Jahr“ werden. Deswegen also keine Vorsätze dieses Jahr. Kein „Jetzt krempel ich mein Leben um und werde ein ganz neuer Mensch“. Funktioniert eh nicht. Und eigentlich bin ich auch ganz zufrieden. Klar, an einigen Stellen hakt es mal hier und dort und man denkt, das müsste man besser, anders, wasauchimmer machen. Dennoch: trotzdem, dass ich megaviel um die Ohren habe und meine Füße nie still halten kann, fühle ich mich ziemlich ausgeglichen und entspannt. Wenn mich andere Leute auch als Ruhepol sehen, scheint das auch nach außen zu strahlen.

Also, was jetzt folgt, ist keine Auflistung von Vorsätzen, sondern eher ein Statusbericht. weiterlesen