Ein Flüchtlingsmädchen aus Palästina beginnt während einer Gesprächsrunde  zum Thema „Gut Leben in Deutschland“ mit Angela Merkel an zu weinen, weil ihrer Familie die Abschiebung droht. Die Reaktion der Bundeskanzlerin, die das Mädchen unbeholfen trösten will, löst eine Welle der Empörung und der Häme unter dem Hashtag #merkelstreichelt aus. Mir ging das gestern genauso:

… und retweetete das hier:

Wie konnte sie nur? Warum versteckt sie sich hinter leeren Worthülsen, die als Reaktion auf das Mädchen einfach unangemessen sind? Wie kann man denn so ein armes Mädchen so von oben herab behandeln und dann auch noch anfassen wollen. Angela Merkel war wie ein Elefant im Porzellanladen.

Mit einem Tag Abstand auf die ganze Sache hat sich meine Wut gelegt und ich beginne, mein Mitgefühl für das Mädchen auch auf die Bundeskanzlerin zu übertragen. Sie tut mir leid, wenn auch auf einer anderen Ebene.Natürlich war das ein Faux Pas sondergleichen und es war mehr als ungünstig, dass das auch noch gefilmt und veröffentlicht wurde. Ich will auch gar nicht entschuldigen oder schönreden, dass Angela Merkel sich in dieser Situation einfach falsch verhalten hat. Vielmehr frage ich mich, warum sie so reagiert hat.

Ich sehe hauptsächlich zwei Gründe.

Erstens: Sie war plötzlich mit realen Konsequenzen ihrer Politik konfrontiert – von Angesicht zu Angesicht mit einem weinenden Mädchen, ohne Distanz.  Das passiert ihr sicher nicht jeden Tag. Ich kann mir vorstellen, dass sie in diesem Moment innerlich schockiert war und nach Außen die Fassung eines Medienprofis bewahren musste. Schwere Situation? Hat man als Bundeskanzlerin Berater, die einen auf solche Situationen vorbereiten?

Zweitens: Sie hat selbst keine Kinder und weiß schlichtweg nicht, wie sie mit ihnen umgehen soll. Ihr kennt das: Erwachsene, die panisch werden, wenn Kinder weinen, weil sie keine Ahnung haben, wie sie sie beruhigen können.

Die Frage die bleibt: Was wäre eine bessere Reaktion gewesen? Hätte Angela Merkel dem Mädchen versprechen sollen, sich persönlich um die Angelegenheit zu kümmern? Hätte man ihr das geglaubt? Hätte sie überhaupt die Möglichkeit dazu gehabt?

Vielleicht wäre es eine gute Geste gewesen, das Mikro wegzulegen und für ein paar Sekunden die professionelle Distanz abzulegen, um „unter 4 Augen“ mit dem Mädchen zu sprechen und ihr in die Augen zu schauen.

Bundeskanzlerin – den Job möchte ich für kein Geld der Welt machen.